Liebe Christine, vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst für unsere Client Story! Bevor wir in die Tiefe gehen: Wie bist du ins Masatsch gekommen?
Christine: Ich habe das Hotel Masatsch schon lange mit Interesse verfolgt – einfach, weil mich fasziniert hat, wie dieses Konzept funktioniert. Dabei komme ich eigentlich aus ganz anderen Bereichen: Ich war im Eventmanagement tätig, habe aber auch im sozialen Bereich gearbeitet, mich dort um Themen wie Pflege und Inklusion gekümmert – also darum, wie Menschen mit Behinderung besser in den Alltag integriert werden können.
Das Hotel Masatsch war für mich immer ein Paradebeispiel dafür, wie so etwas gelingen kann. Als ich gesehen habe, dass eine neue Leitung gesucht wird, habe ich mich beworben – und bekam die Stelle.
Jetzt bin ich mitten drin in diesem besonderen Projekt, das auf den ersten Blick ein soziales ist, aber gleichzeitig auch ein ganz normales Hotel für alle Gäste. Bei uns sind wirklich alle willkommen – Menschen mit oder ohne Einschränkung, mit oder ohne Behinderung.
Im Masatsch wird Inklusion tagtäglich gelebt – ganz selbstverständlich und mit viel Feingefühl. Was macht diesen Ort für dich so besonders? Und was macht ihr anders als „klassische“ Hotels?
Christine: Das Hotel Masatsch ist wirklich ein besonderer Ort – er hat etwas Energetisches, wenn ich das so sagen darf. Schon bevor ich hier gearbeitet habe, kam ich oft als Besucherin her, einfach um im Café zu sitzen oder im Restaurant etwas zu essen. Und jedes Mal hatte ich das Gefühl: Hier fühlt man sich einfach wohl. Dieser Platz hat seine eigene, positive Energie.
Jetzt, wo ich mitten im Geschehen bin, spüre ich das jeden Tag noch stärker. Besonders macht diesen Ort vor allem die Arbeit mit unseren Mitarbeitenden mit Behinderung. Sie kommen mit einer Begeisterung und Freude zur Arbeit, die ansteckend ist. Das merkt man sofort, wenn man hierherkommt – etwa wenn mich unser Mitarbeiter an der Bar jeden Morgen mit einem Lächeln und einem Kaffee begrüßt und sagt: „Schön, dich zu sehen!“
Rund 40 Prozent unseres Teams – also etwa 30 Mitarbeitende insgesamt – sind Menschen mit Beeinträchtigung. Sie arbeiten in der Küche, im Service, im Housekeeping oder in unserem Gartenprojekt, in dem wir eigenes Gemüse anbauen. Natürlich ist das auch eine tägliche Herausforderung, denn wir begleiten, unterstützen und trainieren diese Menschen kontinuierlich. Vieles muss man immer wieder üben und wiederholen – fast wie in einer Schule. Aber genau das macht unsere Arbeit so wertvoll.
Ihr habt ein vielfältiges Team mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und Fähigkeiten. Was braucht es, damit dieses Miteinander funktioniert und was können andere Hotels daraus lernen?
Christine: Wer hier arbeitet, braucht vor allem eines: Verständnis – und ein echtes Interesse an Menschen. Denn unser Team ist bunt und vielfältig, mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten und Hintergründen.
Es braucht den Willen, andere zu begleiten, Wissen zu teilen und Dinge immer wieder gemeinsam zu üben, bis sie wirklich sitzen. Gerade die Teamleiterinnen und Teamleiter, unser Küchenchef oder die Verantwortlichen im Service leisten dabei enorm viel. Sie übernehmen nicht nur ihre klassische Rolle, sondern sind gleichzeitig Coaches, Motivatoren und Wegbegleiter. Das bedeutet, sie müssen Zeit geben, Geduld haben und individuell auf die Mitarbeitenden eingehen.
Der Arbeitsrhythmus bei uns ist insgesamt etwas langsamer – und das ist gut so. Ich sage oft: Wer hier arbeitet, schaltet automatisch zwei Gänge zurück. Dieses Tempo schafft Raum für echtes Miteinander. Was andere Hotels daraus lernen können? Dass Inklusion kein Hindernis ist, sondern eine Bereicherung.
Wenn man Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten eine echte Chance gibt, entsteht ein Arbeitsumfeld, das von Geduld, Empathie und gegenseitigem Respekt geprägt ist – und genau das spüren auch die Gäste.
Viele Hotels möchten inklusiver werden, tun sich aber schwer mit dem ersten Schritt. Was sind aus deiner Sicht die häufigsten (Denk-)fehler – und worauf kommt es wirklich an?
Christine: Für mich bedeutet soziale Nachhaltigkeit, Menschen mit Behinderung nicht nur einzubeziehen, sondern ihnen echte Chancen zu geben. Ich glaube, der häufigste Denkfehler liegt darin, dass viele Betriebe Inklusion als Zusatzaufgabe sehen, als etwas, das „on top“ kommt. Dabei geht es nicht um Perfektion, sondern um Haltung. Es braucht die Bereitschaft, offen zu sein, Geduld zu haben und Menschen auf Augenhöhe zu begegnen. Wenn man diesen Schritt wagt, verändert sich etwas Grundsätzliches: im Team, im Umgang miteinander und letztlich auch im Betriebsklima. Das ist für mich gelebte soziale Nachhaltigkeit.
Gab es einen spezifischen Moment, in dem du gespürt hast: Genau deshalb machen wir das? Eine Begegnung, ein Feedback, ein Erlebnis, das dir im Herzen geblieben ist?
Christine: Oh ja, da fällt mir gleich ein Moment aus diesem Sommer ein. Wir hatten eine große Gruppe aus Deutschland zu Gast – die Pfennigparade, eine Stiftung, die Kinder und Jugendliche mit schweren Behinderungen begleitet. Insgesamt waren über 20 Personen zwei Wochen bei uns im Haus, fast ausschließlich hier im Hotel. Das war eine Herausforderung, aber auch eine sehr besondere Erfahrung.
Am letzten Abend hat die Gruppe für uns eine kleine Abschiedsfeier organisiert. Dabei war ein Mädchen, vielleicht neun Jahre alt, das am ersten Tag gar nicht laufen konnte. Sie kam mit einer Gehhilfe und war stark eingeschränkt. Am letzten Abend ist sie dann plötzlich ohne Hilfe auf mich zugegangen, ganz stolz, mit einem kleinen Dankesbrief für das ganze Team.
Sie hat mir den Brief gegeben und gesagt, dass das die schönsten zwei Wochen seit Langem für sie waren. Das war ein Moment, der uns allen sehr naheging. In solchen Momenten weiß ich: Genau dafür machen wir das.
Und solche Momente zeigen uns immer wieder, dass sich der Einsatz lohnt – und dass wir hier etwas schaffen, das wirklich einen Unterschied macht.
Danke, dass du das mit uns geteilt hast! Nun zum Abschluss wie immer unsere Quick 5 – fünf kurze Fragen, die in keiner MAp Client Story fehlen dürfen:
- Ein Hotel das dich inspiriert: Hotel Frida am Wald
- Ein Buch oder eine Ressource, das alle lesen sollten, die nachhaltiger werden wollen: Da muss ich leider passen.
- Eine Destination, die auf deiner To-travel-Liste steht: Kirgisistan, da will ich unbedingt mal hin.
- Ein Zitat, nach dem es sich zu leben lohnt: „Gehe vertrauensvoll in die Richtung deiner Träume. Lebe das Leben, das du dir vorgestellt hast. Wenn du dein Leben vereinfachst, werden auch die Gesetze des Lebens einfacher.“ – Henry David Thoreau, aus „Walden“ (1854).
- Dein größter Wünsch für die Zukunft: Ein Leben voller Erlebnisse und Begegnungen – erfüllt, lebendig und getragen von guter Gesundheit und echten Freundschaften.
Über Christine Karadar
Christine ist die Direktorin des Hotel Masatsch in Kaltern, Südtirol. Sie bringt Erfahrung aus dem Eventmanagement und der sozialen Arbeit mit – und führt mit einer klaren Überzeugung: an Menschen zu glauben, Inklusion zu leben und neue Wege mutig zu gehen.
Hotel Masatsch ist ein barrierefreies Hotel in Kaltern Südtirol in der Nähe des schönen Kalterersee st ein einzigartiges barrierefreies und behindertengerechtes Hotel. Das Inklusionshotel ist auf Urlaub mit Rolli spezialisiert und garantiert unvergessliche behindertengerechte Ferien in Südtirol.
Free Download The Sustainable Hotel Insights. 6 Prinzipien um als Hotel sozial nachhaltig(er) zu werden.
In diesem kostenlosen Leitfaden erhältst du eine kompakte Einführung in soziale Nachhaltigkeit im Hotel – klar und direkt anwendbar. Die 6 Prinzipien zeigen konkrete Schritte für Gäste und Team – von inklusiver Gastfreundschaft bis zu ganzheitlicher Barrierefreiheit.
Plus: eine kurze Best Practice, Fakten und Ressourcen für deinen sofortigen Start.